Die Erfahrung eines Kindes aus der Zeit des Kindertransports…

During the ‘Kindertransport’, 10.000 Jewish children were saved from the hands of the Nazis. In this piece, Marina (Year 12) imagines a child’s arrival in England. She won the runner-up prize in the ISMLA Writing Competition 2020.

Während des “Kindertransports” wurden 10 000 jüdische Kinder vor den Nazis “gerettet”. Unten ein Bild bei ihrer Ankunft im Londoner Hafen. Schreibe eine Ges- chichte aus der Perspektive eines der Kinder. Woher kommst du? Was denkst du? Was passiert bei und nach deiner Ankunft?

Als ich nur 9 Jahre alt war, haben meine Eltern mir erzählt, dass ich ins Ausland fahren muss. Wegen der kindlichen Naivität, oder vielleicht habe ich die Wahrheit verweigert, dachte ich, dass wir nur ein paar Monate lang getrennt sein würden. An einem kalten Tag im Januar habe ich meine Eltern zum letzten Mal verabschiedet.

Während der Zugfahrt war ich vor allem verwirrt. Die SS-Beamten haben plötzlich alle unsere Koffer durchwühlt. In diesem Moment haben die anderen Kinder geschrien und gekreischt. Ich war im Schockzustand und ich habe die Schreie nicht registriert, aber sie haben mich seitdem verfolgt.

Die Fährüberfahrt war eine schlimme Erfahrung. Fast jedes Kind hatte aufgrund der stürmischen Wellen erbrochen. Nach der anschließenden Zugfahrt sind wir in London angekommen, wo es viele Erwachsene gab. Sie schienen nervöser als die jüdischen Kinder und ich habe genau in diesem Moment gemerkt, dass ich viel länger in England bleiben würde.

Ich habe meine Gasteltern getroffen und ich war abrupt überwältigt. Ich konnte sie nicht verstehen und andersherum, aber ich wusste, dass die schmale Frau und der feiste Mann  liebenswürdig und sanftmütig waren und ich habe mich sicher gefühlt – oder so sicher, wie  man sich fühlen konnte. Ich habe es geschafft, eine Beziehung mit meiner neuen Familie herzustellen, jedoch saß ich oft in einem Zimmer allein und ich dachte an nichts und alles zur gleichen Zeit.

Als ich später im Leben andere jüdischen Flüchtlinge getroffen habe, haben sie mir erzählt, dass die Kinder in ihren Schulen oft gemein waren, aber für mich war das nicht der Fall und dafür bin ich immer noch dankbar. Es gab ein anderes jüdisches Kind in meiner Schule und wir haben immer auf Deutsch gesprochen und es machte Spaß, die Engländer zu verwirren. Jedoch gab es eine stillschweigende Übereinkunft, dass wir nie über unser Leben in Deutschland sprechen sollten.

Mein Leben ging so weiter. Ich bin inniger mit der Familie geworden, aber ich habe nie und ich werde nie meine Familie vergessen. Ich hoffe, dass sie lebendig sind, aber es ist sehr unwahrscheinlich. Ich werde immer einen Platz in meinem Herz für beide meine Familien haben.

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